Der Film Shoah von Claude Lanzmann ist ein beispielloses Monument über den systematischen Mord an den europäischen Jüdinnen*Juden. Schüler*innen beschäftigen sich mit bisher unbekannten Tonaufnahmen zum Film: Sie hören einer Überlebenden zu, vergleichen die Aussagen von verurteilten Tätern, diskutieren über die Bedeutung dieser Aufnahmen, und nehmen selbst ein Audiointerview auf. Die mehrsprachigen Aufzeichnungen gehören zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Schüler*innen sollten Grundkenntnisse in Englisch haben.
Drucken Sie vorher den Analysebogen für Ihre Schüler*innen aus, der unter „Hilfe und Material“ als Download bereit steht.


Oral History als Methode kennenlernen.
Tonaufnahmen von Zeitzeug*innen der Schoa anhören und diese als einzigartige historische Quelle verstehen.
Über Aufnahmen und Aussagen der Zeitzeug*innen nachdenken, Fragen stellen und dazu diskutieren.
Historische Audios anhören und analysieren, und selbst Audiointerviews aufnehmen.
Obwohl am Bildschirm gearbeitet wird, findet ein wichtiger Teil des Lernens gemeinsam in der Klasse statt. Sie als Lehrkraft moderieren Diskussionen, das Teilen von Ergebnissen und das gemeinsame Schauen und Hören von Medien. Die Ergebnisse von Abstimmungen werden anonym angezeigt – bei Texteingaben sind die Namen sichtbar. In den „Tipps für die Anwendung“ finden Sie pädagogische Hinweise. Das Icon zeigt Ihnen, was die Schüler*innen machen.
Schüler*innen diskutieren und teilen Persönliches. Das kann emotionale Reaktionen hervorrufen.
Kannst du gut zuhören? Stimm ab!
Dieser braune Karton mit Kassetten gehört seit 2021 zur Sammlung des Jüdischen Museums Berlin. Insgesamt sind es um die 150 Kassetten. Doch was ist auf diesen Kassetten zu hören? Wann, wo und warum wurden sie aufgenommen?
Schau dir das Foto genau an, um mehr über die Kassetten herauszufinden und das Quiz zu beantworten.

Ein Karton mit Kassetten1
Diese Kassette wurde in Deutschland aufgenommen.
Hör dir die Aufnahme an, um ein Gefühl für diese Art von Quelle zu bekommen.
Zeichne dann ein Bild der Aufnahmesituation, wie du sie dir vorstellst. Oder gib der Aufnahme einen Titel.
Interview mit Richard Otto Horn, geführt von Irena Steinfeldt-Levy2
Was ist die Schoa und wie fragte Lanzmann danach?
Schau jetzt das Video und finde es heraus.

Claude Lanzmann bekam 1973 den Auftrag, einen Film über die Schoa zu drehen.
Als er nach langem Zögern zusagte, ahnte er bereits, was für Dimensionen das Projekt annehmen könnte.
Mit seinen Mitarbeiterinnen Corinna Coulmas und Irena Steinfeldt-Levy suchte er in Archiven in Israel, in den USA, in Deutschland und weiteren Ländern nach Namen – von Überlebenden, und von Täter*innen.
Denn ihm war klar, dass es den Film ohne ihre Stimmen nicht geben könnte.
Gleichzeitig begann Lanzmann, Vorgespräche mit Zeitzeug*innen zu führen, in denen er sie davon überzeugen wollte, vor die Kamera zu treten. Beladen mit Wissen und geleitet von seiner Intuition befragte Lanzmann sie zu sämtlichen Aspekten der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Jüdinnen*Juden.
Zu den Personen, die Claude Lanzmann nicht überzeugen konnte, sich vor der Kamera zu zeigen, gehörte Ilana Safran.
Die in Essen geborene Ursula Stern, später Ilana Safran, wurde aus den Niederlanden nach Sobibor deportiert. Im Oktober 1943 konnte sie aus dem Vernichtungslager fliehen. In den folgenden Aufnahmen spricht die etwa 50-Jährige mit Claude Lanzmann an ihrem Wohnort in Israel.
Über was sprechen Lanzmann und Safran und was bedeutet das?
Hör die vier Aufnahmen an und lies das Transkript mit.
Hör die Audios danach erneut an und füll den Analysebogen aus.
Um zur nächsten Aufnahme zu kommen, wische das Audio nach links.
Über welche Themen sprechen Lanzmann und Safran in den Aufnahmen? Worüber wird geschwiegen?
Schreib auf und gib jedem Audio eine passende Überschrift!
“You can be perfectly silent in front of the camera.”
Claude Lanzmann hätte gerne das Schweigen von Ilana Safran im Film gezeigt, warum?
Diskutier in der Gruppe oder zu zweit.
Claude Lanzmann und seine Mitarbeiterinnen recherchierten Wohnorte in Deutschland von ehemaligen hochrangigen NS-Funktionären, die den Massenmord umsetzten, aber auch von Bürokraten, Profiteuren, sowie Zeugen aus den Nachkriegsprozessen. Oft suchten sie die Täter ohne Vorankündigung zu Hause auf und versuchten sie in ein Gespräch zu verwickeln. Das Aufnahmegerät blieb in der Tasche verborgen.
In vielen Fällen endete das Gespräch bereits an der Tür. Findest du es wichtig, dass Lanzmann auch mit Tätern gesprochen hat? Stimm ab!
Diese vier Männer sind alle Täter, die sich schuldig gemacht haben. Was haben sie noch gemeinsam?
Lies dir die Kurzinfos zu den vier Tätern durch:
Hör dir nun die Aufnahmen zweimal an und füll dabei den Analysebogen aus.
Um zur nächsten Aufnahme zu kommen, wische das Audio nach links.
Claude Lanzmann und sein Team behielten den Grund des Interviews zunächst für sich, um die Täter zum Sprechen zu bringen. Kam ein Gespräch zustande, versuchten die Täter schnell den unbequemen Fragen auszuweichen.
Was haben die Täter gemeinsam? Schreib auf!
Um NS-Täter zu verurteilen, mussten Opfer vor Gericht als Zeug*innen aussagen. So auch Ilana Safran.
In der Aufnahme erzählt sie, wie sie Mitte der 1960er-Jahre als Zeugin im Sobibor-Prozess die Täter identifizieren sollte.
Kannst du an den Antworten von Ilana Safran erkennen, wie sie sich damals als Zeugin im Gerichtssaal mit den Tätern gefühlt haben muss?
Wie fühlte sie sich als Zeitzeugin, die Claude Lanzmann davon erzählt?
Hör dir die Aufnahme an und nutz den Analysebogen.
Interview mit Ilana Safran, geführt von Claude Lanzmann und Irena Steinfeldt-Levy3
Kannst du an den Antworten von Ilana Safran erkennen, wie sie sich damals als Zeugin im Gerichtssaal mit den Tätern gefühlt haben muss?
Wie fühlte sie sich als Zeitzeugin, die Claude Lanzmann davon erzählt?
Diskutier in der Gruppe.
Die Interviews gehören mit Lanzmanns Film Shoah zum Weltdokumentenerbe der UNESCO und stellen wichtige Zeugnisse der Geschichte dar. Gleichzeitig geben sie Orientierung für heutige und künftige Gesellschaften. Kennst du jemanden, der einen Wendepunkt der Geschichte miterlebt hat? Oder hast du einen miterlebt?
Wähl eine Frage aus!
2025 waren Corinna Coulmas und Irena Steinfeldt-Levy zu Gast im Jüdischen Museum Berlin.
Woran erinnern sich die beiden in der Zusammenarbeit mit Claude Lanzmann? Und wie haben die Begegnungen mit den Zeitzeug*innen ihr weiteres (Berufs-)Leben geprägt?
Schau das Video und finde es heraus!

Interview mit Corinna Coulmas und Irena Steinfeldt-Levy, Jüdisches Museum Berlin 2025
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